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Porsches 959 wird 25

Dicke Backen

Immer wieder arbeitete man bei Porsche an Allrad-Antriebsprojekten für fremde Auftraggeber. Als Cabrio-Studie steht dann im September 1981 der erste 911-er mit Allradantrieb auf der IAA in Frankfurt. Zwei Jahre später ist es der Porsche 959 mit elektronisch geregeltem Allradantrieb und aufwändiger Fahrwerkstechnik, die sich den jeweiligen Fahrbedingungen durch Niveau- und Stoßdämpferregelung anpasst. Im Jahre 1984 entscheidet der allradgetriebene 911 die Dakar-Rallye, bei der vorher ausschließlich Motorräder und Geländewagen am Start waren, für sich.

Der 959 gewinnt 1985 die Pharaonen-Rallye in Ägypten, 1986 die extrem schwierige Rallye Paris-Dakar. Rene Metge und Jacky Ickx fahren einen Doppelsieg für die Zuffenhausener ein. In der für den 10.000-Kilometer-Marathon durch Afrika eingesetzten Version wird der 2,8-Liter-Doppelturbomotor des allradgetriebenen 959 auf 400 PS gedrosselt, das Getriebe ist auf 210 km/h übersetzt. Die Vorderachse wird beim 959 über eine gesteuerte Längskupplung von der Hinterachse aus angetrieben. Die Obergrenze des Vorderachsantriebsmoments wird über die Längskupplung gesteuert, so lassen sich über Wählhebel unterschiedliche Programme abwickeln. Die stimmen die Antriebskraftverteilung auf den Straßenzustand ab. Diese Technologie bringt dem 959 im heißen Wüstensand die entscheidenden Vorteile für den Sieg.

Als bislang stärkstes Serienmodell von Porsche gelangt der 959 im Jahre 1986 zur Auslieferung an solvente Kunden. Zu dieser Zeit gilt er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 317 km/h als weltweit schnellstes Serienfahrzeug mit Straßenzulassung. Das Serienfahrzeug basiert auf dem für Werkseinsätze im Rallye-Sport vorgesehenen und 1983 auf der Frankfurter IAA vorgestellten Sportwagen. Der 959 verfügt über elektronisch geregelten Allradantrieb und einen Bi-Turbo-Registeraufladung. Der sorgt dafür, dass der Sechszylinder-Boxermotor mit 2.847 ccm Hubraum und wassergekühlten Zylinderköpfen auf eine Leistung von satten 450 PS kommt. So viel innovative Technik und Leistung hat ihren Preis: Mit 420.000 DM steht der 959 als „Über-Porsche“ in der Preisliste. Bis 1988 werden vom Serien-959 insgesamt nur 292 Exemplare gebaut, 29 davon für Sport-Einsätze. Der Ausnahme-Sportwagen geht in die Automobilgeschichte ein – als perfekter Sportwagen. 

Das elektronische geregelte Fahrwerk, der programmgesteuerte Allradantrieb und die aerodynamisch optimierte Karosserie des 959 sind zukunftsweisend für spätere Porsche-Sportwagengenerationen. Aus den mit dem „Technologieträger“ 959 gesammelten Erfahrungen entsteht schließlich der erfolgreichste allradgetriebene Sportwagen, den Porsche je gebaut hat: Der 911 Carrera 4, dessen erste Version im Herbst 1988 vorgestellt wird.

Quelle: Gerhard Prien