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Fahrzeuge/Oldies

Westfalia

Die Historie von Westfalia

Johann Bernard Knöbel geht als 18-jähriger auf Wanderschaft, er arbeitet in Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg. Im Jahre 1844 eröffnet er in Rheda-Wiedenbrück einen Handwerksbetrieb, in dem er die Bedürfnisse der Fuhrleute befriedigte. In der Schmiede am elterlichen Haus an Klingelbrink 273 wird aber nicht nur repariert, sondern hier entstehen auch Ackergeräte und Wagen, im Jahre 1876 folgt die erste Kutsche. Sohn Wilhelm übernimmt diesen Betrieb, Sohn Franz erhält ein Haus und das Werkzeug um selbst einen Betrieb aufbauen zu können. Diese neue Firma eröffnet Franz Knöbel senior im Sommer 1887, schon kurz darauf fertigt er Fahrgeschirre, Kutschen, Jagdwagen und Schlitten. Die von ihm entwickelte Selbstfahrerkutsche – die auch ohne Kutscher gefahren werden konnte - wird nach 1918 ein großer Erfolg. Zwei gegenüber liegende Sitzbänke mit je zwei Sitzplätzen und einem demontierbaren Kutschbock – auf dem auch zwei Personen Platz nehmen konnten -

Im, Jahre 1922 erscheint der Name „Westfalia“ erstmals im Handelsregister. Es beginnt die Ära der Kraftfahrzeuge, zunächst mit Handelsvertretungen für Personenwagen, im Jahre 1927 liefert man die ersten offenen Kastenanhänger aus. In dieser Zeit nutzte man für Einachshänger auch noch die so genannte Pinkupplung, die auf den schlechten Straßen furchtbar klapperten, die Knöbels versuchten das Problem durch neue Ideen zu lösen.

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Die Chefs testen selbst.

Die Söhne von Franz Knöbel senior – Franz, Hans und Gerd - übernehmen ab 1933 die Führung des Unternehmens. Zwei Jahre zuvor hat Franz die Kugelkopf-Kupplung entwickelt und zum Patent angemeldet – zwei Jahre später, 1935, entsteht der erste Wohnanhänger, der bereits über vier Schlafplätze, Küche und Stauraum verfügt. Schließlich gehören Anhänger, Kupplung und Zugwagen ja auch irgendwie zusammen. Der Zugwagen ist dabei das Maß aller Dinge – nur Fahrversuche können entscheiden, ob es dem Konstrukteur gelungen ist einen Anhänger zu konzipieren, der sich in der Praxis gut verhält und ein sicheres Fahrverhalten an den Tag legt. Bei den Köbels fahren die Chefs die Fahrversuche lange Zeit selbst, (nicht nur) für diese Zwecke werden BMWs favorisiert. Etwa die Limousine 335, besonders gut als Zugwagen geeignet, denn der Motor entwickelt seine Höchstleistung von strammen 90 PS schon bei moderaten 3.500 U/min. Pritschen für Lastkraftwagen ergänzen das Fertigungsprogramm ab 1937. Im selben Jahr wird ein Gelände erworben, Grundstock des Werksgeländes am Sandberg, wo schon knapp ein Jahr später der Grundstein für das neue Werk gelegt wird. Zu dieser Zeit beschäftigt Westfalia bereits 200 Mitarbeiter.

Im Jahr 1942 erhält das Unternehmen den – lange Jahre gültigen – Namen Westfalia-Werke Franz Knöbel & Söhne KG. In Krieg wird das Werk am 22. Februar 1945 fast völlig zerstört. Doch schon zu Ende des Jahres 1945 sind bereits wieder 200 Mitarbeiter bei den Knöbels beschäftigt. Der Karosseriebau erlangt besondere Bedeutung. In Rheda-Wiedenbrück werden der Gutbord Superior Kombi, ein Kleinsttransporter auf dem Fahrgestell des VW Käfer und ein gemeinsam mit Mercedes-Benz für den Unimog entwickeltes – geschlossenes – Fahrerhaus, das von vielen Spediteuren und der Polizei verlangt wurde. Zu Beginn der 50er Jahre entsteht auch der erste Wohnanhänger, gefertigt aus einer Stahlblech-Karosse. Bereits 1951 kommt die erste Camping-Einrichtung für den VW Transporter auf den Markt, die Camping-Box, eine Wohn- und Schlafeinrichtung. Ein neues Produkt ist geboren, dem man bei Westfalia bis heute die Treue hält: Das Reisemobil.

Beginn der mobilen Freizeit: Die Camping-Box.

Schick sieht sie aus, die Camping-Box getaufte Bulli-Ausstattung, die bei Westfalia für die große Bewegungsfreiheit und nach der Idee eines britischen Offiziers in Deutschland kreiert wird. Seine Bestellung ist einfach: Er möchte einen VW Transporter mit Wohneinrichtung, die soll ordentlich im Bulli verbaut und obendrein als Schlaf-, Wohn- und Arbeitsraum geeignet sein. Bei Westfalia nimmt man also einen VW Bus mit Doppeltür zwischen B- und C-Säule und montiert hinter den Vordersitzen das variable Möbelelement. Die Ausstattung besteht somit aus einer Schlafcouch, einem Klapptisch, einer Sitzbank, einem Jalousieschrank und einem Sidebord mit Fach für einen Benzinkocher. So ausgestattet wird die Campingbox zum multifunktionalen Traumwagen der 50er Jahre, zu nutzen als Hotel auf Rädern, unterwegs nach Grömitz, Garmisch oder Rimini. Die Einrichtung der Camping-Box wird in einem Schrank zusammen gepackt und kann auch im Haus als Schlafgelegenheit für Gäste genutzt werden. Im Fahrzeug können bis zu drei Personen bequem schlafen, während der Fahrt wird aus den Polstern eine gemütliche Sitzecke. Der Schrank kann mit einem zweiflammigen Benzin- oder Spirituskocher ausgestattet werden, im Laufe der Bauzeit kommt zur Campingbox ein größerer Kleiderschrank, in dem Kleidungsstücke nun auch gehängt werden können. In den ersten Jahren war der Schrank recht flach, die Kleider konnten nur gelegt, nicht gehängt werden. Besonders pfiffig: Die Campingbox kann mit wenigen Handgriffen aus dem Bus entfernt werden, der Raum zwischen Vordersitzen und Motor steht für Transportaufgaben bereit. Und so kann der Bulli als Lastesel am Aufbau der jungen Republik mitwirken, im Einsatz für Handwerker und Gewerbetreibende. Doch der große Markterfolg bleibt dem Bulli mit Campingbox zunächst verwehrt. Aber die Fertigung kommt langsam in Gang, es finden sich immer mehr Interessenten, die neben dem Kaufpreis für einen Transporter in Höhe von knapp 6.000 Mark bereit sind weiteres Geld auszugeben. Zum Beispiel für das Sidebord in der Campingbox (fast 600 Mark), oder 125 Mark für den Kleiderschrank. Mit 62, 50 Mark relativ günstig ist der Wasch- und Rasierschrank, er wird an der Doppel-Flügeltür montiert.

Im Jahre 1955 heißt die erste Ausbaustufe der Campingbox Export, zu erkennen an einer Dachklappe im vorderen Teil des Daches und einer stabilen Gepäckbrücke dahinter. Die Campingbox bleibt zehn Jahre lang im Programm, wird im Lauf der Zeit immer besser ausgestattet, schließlich sogar mit einem Gaskocher im Sideboard. Gipfel des Luxus ist eine fest auf einem Serviertisch stehende Bord-Bar mit Plexiglashaube, zu deren Lieferumfang zehn Cocktailbecher gehören. Wegen der relativ hohen Preise verabschieden sich viele Interessenten vom Kauf eines Campingbusses – das ändert sich als das Möbelprogramm Mosaik in den Markt gebracht wird. Mit dem Möbelprogramm können begabte Heimwerker sich einen gebrauchten Bulli nach eigenen Vorstellungen ausstatten und dabei sparen.

Parallel findet im VW Bus eine Leistungsexplosion statt: Satte 34 statt bisher 25 PS werkeln im Heck, auf Wunsch kann sogar eine 1500er Maschine mit 42 PS bestellt werden. Sie verschafft dem Hotel auf Rädern zu einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 100 km/h. Der VW Transporter als Campingwagen ist in den 50er Jahren in den USA erheblich bekannter als in Deutschland oder Europa. In großen Stückzahlen geht die Einrichtung Westfalia SO 34 über den großen Teich, die erste Campingeinrichtung, die statt einer Holzfurnier-Oberfläche mit einer Kunststoff-Oberfläche in weiß und grau ausgeliefert wird. Erfolgreich in den USA ist auch SO 42, bei dem das Fahrzeug bereits isoliert ist, das später für Westfalia typische Aufstelldach jedoch noch fehlt. Die Einrichtung besteht aus Innenverkleidung, Dachstaukasten, Kühlbox mit Wassertank, Handpumpe und seitlichem Klapptisch, Kleiderschrank mit Spiegel, Staukasten mit Polster und Klapptisch – Preis am 1. September 1965: 1.850.- Mark.

In den USA werden bis 1976 rund 15.000 Campingbusse der ersten Generation verkauft. Und auch in Deutschland steigt die Nachfrage. Statt zehn Einheiten pro Tag im Jahr 1960 rollen sieben Jahre später täglich schon 70 VW Campingwagen vom Band auf die Straße.

Im Jahre 1956 versucht man es in Rheda-Wiedenbrück erstmals mit einem Wohnmobil mit eigenem Aufbau, Basis ist ein DKW F 800-3 mit einem Dreizylinder-Motor und 900 ccm Hubraum und einem Radstand von 3.500 mm. Durch den Frontantrieb und die geringe Bodenfreiheit des DKW geriet die Einstiegshöhe des Wohnmobils relativ flach. Dennoch wurde der mit Spül-WC, Gasheizung und Gasherd ausgestattete Wagen kein Verkaufserfolg, nur ein kleiner Kundenkreis konnte – oder wollte – sich die recht teuren Fahrzeuge leisten.

Ebenfalls nur auf bescheidene Stückzahlen bringt es das Ford Wohnmobil mit seinem wassergekühlten Vierzylinder-Reihenmotor vorne zwischen den Sitzen und Heckantrieb. Die Einrichtung baute Westfalia nicht nur für den Ford, sondern auch für Transporter von Hanomag, Mercedes-Benz und Opel. Die Ausstattung ist aufwändiger als bei den VW-Ausbauten. Es gibt einen zweiflammigen Gaskocher, einen Kühlschrank und auf Wunsch auch eine Gasheizung. Eine weitere Sonderausstattung stellt das so genannte Dormobil-Dach, ein seitlich angeschlagenes Aufstelldach mit zwei Faltbetten, dar.

Drittes Standbein neben den Reisemobilen und den Anhängekupplungen sind die Anhänger. Kastenanhänger, Bestattungsanhänger, Verkaufsanhänger, Allzweckanhänger, Reisegepäckanhänger, Sportanhänger, Anhänger in allen möglichen Ausführungen und Größen, mit aufsteckbaren Bordwänden, runden Deckeln, flachen oder hohen Planen, in Aufbaulängen von 1.300 bis 3.000 mm und in Breiten von 1.050 bis 1.300 mm. Der 200.000ste läuft 1978 vom Band, ein verchromter Allzweckanhänger 250 mit den Aufbaumaßen 2.500 x 1.300 x 385 mm. Schon drei Jahre später, am 2. September 1981 läuft in Rheda-Wiedenbrück der 250.000ste Westfalia-Hänger vom Band, ein Pferdehänger mit gold-schwarzer Lackierung des Aufbaus.

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Im Sommer 1967 präsentiert VW die neue, die zweite Generation des Transporter. Es ist der erste Modellwechsel überhaupt, denn der Käfer läuft und läuft immer noch. Der neue Transporter ist ein gutes Stück gewachsen, hat jetzt große Fensterflächen, serienmäßig eine Schiebetür und ein verbessertes Fahrwerk mit Doppelgelenk-Hinterachse. Unverändert: Im Heck sitzt der luftgekühlte Boxermotor, er nimmt jetzt weniger Platz weg. Die Motorleistung des Transporters steigt bis auf 70 PS, flachere Motoren vergrößern den Laderaum, erstmals gibt es auf Wunsch ein Automatikgetriebe. Sicherheitsfortschritte kommen hinzu: Amerikanischen Forderungen machen den Transporter crashsicher. „Alle Sitze lassen sich mit Hüftgurten ausstatten. Die Fahrerraumsitze und die außenliegenden Sitzplätze des Fahrgastraumes können auch wahlweise mit Schulter- oder kombinierten Hüft-Schultergurten versehen werden“, so liest es sich in der Betriebsanleitung 1967.

Der neue Transporter bildet eine ideale Basis für Reisemobile. Nur eines stört: Das Reserverad steht hinten links in einer Mulde im Gepäckraum, es schränkt beim üblichen Grundriss das Bettenmaß der Klappsitzbank ein. So wandert das fünfte Rad am Wagen – nicht nur bei Westfalia - nach vorne in einen Kasten auf die Nase des Transporter über verlängerten Stoßfängern.

Mit diesen Voraussetzungen geht es auch für Westfalia in den 70er Jahren im Reisemobil-Bau weiter aufwärts. Bereits 1968 werden rund 100 Campingbusse am Tag gebaut, zwei Drittel gehen in den Export, die meisten in die USA. Die Jubiläen überschlagen sich, 1969 läuft der 50 000. Campingbus vom Band, zwei Jahre später bereits der 100 000, mehr als 1.000 Mitarbeiter sind bei Westfalia beschäftigt. Viele Amerikaner verbinden die Übernahme ihres neuen Campingbusses mit einer Europareise, touren durch Deutschland, Frankreich und Italien und verschiffen ihn dann nach Nordamerika. Rund 3000 Amerikaner absolvieren auf diese Weise 1970 ihren Europa-Trip. Von 1966 bis 1970 vervierfacht sich der Export der Campingbusse auf knapp 20.000 Einheiten jährlich, rund 95 Prozent davon sind für Nordamerika bestimmt. Im Inland überschreiten 1969 die Zulassungszahlen erstmals die Marke von 1.000 Exemplaren. 1972 fertigt Westfalia täglich bis zu 125 Ausbauten des Volkswagen Transporter, viele von ihnen sind auch heute noch in Nordamerika unterwegs. Im September 1972, während der Olympischen Spielen in München, gibt es einen bemerkenswerten Rekord: Genau 243 amerikanische Touristen holen an einem einzigen Tag ihren neuen Campingbus ab. Bis 1979 fertigt man munter auf dem T2, der schon beinahe zum Symbol einer ganzen Generation, der Flower-Power-Generation, wird. Westfalia baut eine Vielzahl von Varianten: Nacheinander laufen die Modelle Oslo, Zürich, Stockholm, Brüssel, Paris, Rom, Amsterdam, Düsseldorf und andere für europäische Kunden vom Stapel, die Reihe der Städtenamen reicht sogar bis zu einem „Offenbach“. Die amerikanischen Ausbauten tragen Bezeichnungen wie Houston, Los Angeles, Miami, Memphis, Oregon und Dallas. Legendär ist die Version Helsinki: Für zwei Personen ohne besonderen Dachaufbau, für zwei Personen mit Hubdach im Küchenbereich, und einem Aufstelldach, das Platz für ein weiteres Doppelbett bietet – und immer mit Ecksitzgruppe im Heck. Die Ausstattung: 50 Liter fassende Kühlbox, Zweiflamm-Kocher, Nirostaspüle, 28 Liter Wassertank, 12 Volt Wasserpumpe, zwei 5 kg Gasflaschen und Gas-Heizung.

1973 kostet der Helsinki in Grundausstattung genau 12.980 Mark. Ab 1976 verschwinden die halbhohen Trennwände hinter den Vordersitzen. Nun hat der Ausbauer freie Fahrt für großzügige Einrichtungen mit drehbaren Vordersitzen. Das ist der Startschuss für den Berlin, er nimmt bereits den Grundriss des heutigen California Coach vorweg: Klappsitzbank im Heck, linker Hand eine Küchen- und Schrankzeile – diese Raumaufteilung ist bis heute aktuell. Dazu gibt’s ein Aufstelldach mit zusätzlichem Doppelbett. Das Dach öffnet nicht mehr seitwärts, sondern je nach Grundriss vorne oder hinten, so ist es auch bis heute noch. Erstmals gibt es eine Doppelverglasung im Wohnbereich zur besseren Isolierung. Unvergessene Lamellen-Ausstellfenster verbessern die Belüftung. Doch nicht alles ist golden in den guten alten Zeiten. Schon damals gibt es teuren Krtaftstoff, die Ölkrise beschert uns gar autofreie Sonntage, außerdem eine Wirtschaftskrise, dazu ein Einbruch beim Dollarkurs. Für Westfalia bricht das US-Geschäft schneller zusammen als es gewachsen ist, in einem Jahr halbieren sich 1973 somit die Produktionszahlen, der Nordamerika-Export köchelt auf kleiner Flamme. Aber die Europäer entdecken jetzt den Campingbus für sich. Mitte der siebziger Jahre wird Sicherheit zum Thema, ein VW Campingbus absolviert 1976 den ersten Crashtest - mit Tempo 50 km/h, und weil es so schön ist gibt es gleich einen Überrolltest mit dazu.

Eine ganze Nummer größer als die VW Bus Ausbauten sind der James Cook und der Como, aus dem später der Sven Hedin entwickelt wird und dessen Basis der VW LT ist, dessen Fertigung 1975 startet. Die große Innenbreite und die perfekte Raumausnutzung des LT sind ideale Voraussetzungen für ein geräumiges Rei-semobil. Der Sven Hedin überzeugt mit einer eigenständigen, auf Schienen gelagerten Sitzgruppe, mit einem großen Bett im Hochdach. Und mit einem separaten Sanitärraum aus Kunststoff links im Heck mit Warmwasseranlage, beides damals eine Rarität. Mit dem Sven Hedin feiert Westfalia ein ganz besonderes Jubiläum: Das 200.000ste Wohnmobil läuft im Herbst 1978 vom Band, ein Sven Hedin mit 1,8 Liter Motor und 75 PS auf der Basis des VW LT 28. Aus dem Westfalia Sven Hedin entwickelt VW später, im Jahre 1988, den Florida. Anders als beim Sven Hedin mit seinem geschlossenem Heck bleiben die Heckflügeltüren beim Florida erhalten, so bietet das Reisemobil neben der Schiebetür noch einen weiteren Ein- und Ausgang.

Zur IAA 1981 steht ein Schnapszahlen-Jubiläum ins Haus, mit einem James Cook auf Basis eines Daimler-Benz 207 D mit 65 PS starkem Vierzylinder-Diesel rollt das 222.222ste Reisemobil von Westfalia vom Band. Die Ausstattung ist ordentlich: Vier Schlafplätze, Warmwasser-Boiler, Kühlschrank, Herd, Dusche im separaten Toilettenraum, Frisch- und Abwassertank.

Erfolgsmodell dieser Jahre ist eindeutig der Joker, in mehreren Varianten auf der Basis des VW T3 gefertigt und vermutlich einer der erfolgreichsten Kastenwagen-Ausbauten aller Zeiten. Neben dem „normalen“ Joker in den Versionen I bis IV kommt 1983 der Sport Joker im Stil des späteren Multivan, obendrein gibt es den Club Van und den Club Joker mit vier Einzelsitzen. Im August 1979 heißt es auf dem Titel des Prospekts: „Von Volkswagen und Westfalia: Der Joker - Spaß ohne Grenzen“. Basispreis des Joker 1979 mit Zweilitermotor: 27.466 Mark. Am 27. September 1984 läuft in Rheda-Wiedenbrück das 250.000ste Wohnmobil vom Band, ein Joker auf der Basis des VW Transporters mit 78 PS leistendem Wasserboxer-Motor. Im Jubiläums-Joker gehören Drehzahlmesser, Digitaluhr, Tageskilometerzähler, Halogenscheinwerfer, Komfortsitze im Fahrerhaus, Stereoanlage mit Blaupunkt-Cassettenradio und vier Lautsprechern sowie Eberspächer-Standheizung zur Serienausstattung. Im Jahre 1986 kommt der erste „Nugget“ auf der Basis des Ford Transit heraus. Neu ist die Zusammenarbeit mit Ford für Westfalia nicht, bereits in den siebziger Jahren gab es – unter dem Namen Chiemsee und Wannsee - Einrichtungen für Transporter mit der Pflaume am Kühlergrill.

Als Pkw wird der Club-Van zugelassen, der 1988 mit abgespeckter Wohnmobil-Ausstattung auf den Markt kommt. VW zeigt zum Caravan-Salon ein eigenes, aber auch bei Westfalia gebautes Reisemobil: Den California – auf den ersten Blick ähnlich ausgestattet wie der Joker, allerdings rund 15 Prozent preiswerter. Ein Jahr später legt VW nochmals nach, mit dem Atlantic, einer besser ausgestatteten und preislich höher angesiedelten Variante zum Produktionsschluss des T3. Ab 1990 produziert Westfalia dann auf dem erstmals frontgetriebenen VW Bus, de, neuen T4. Der Joker ist Geschichte, aber Westfalia baut weiterhin für VW, die kompletten Fahrzeuge werden nach wie vor als California vermarktet. Der kommt mit kurzem Radstand zu den Kunden, in der Version mit langem Radstand und mit Heckküche hört er auf den Namen Atlantic. Mit den Jahren kommt die Modellpflege, und die Versionen Coach, Tour und Club.

Im Jahre 1994 gibt es Grund zum Feiern, Westfalia begeht das 150jährige Firmenjubiläum.Für die Kunden gibt es das auf 500 Exemplare limitierte Sondermodell Highway mit komplettierter California-Coach-Ausstattung. Ein Jahr später kommt der California Exclusive, der auf die serienmäßige Heckklappe des T4 verzichtet und stattdessen eine durchgehende GfK-Rückwand im Heck bietet. So ist erstmals ein schmaler Sanitärraum mit Chemie-WC im Vierschläfer realisierbar.

1996 läuft erstmals ein Marco Polo auf Mercedes-Basis vom Band, ein Jahr später folgt der erste Vito F. Kurz vor der Jahrtausendwende wird Westfalia in drei Unternehmensbereich aufgeteilt: Die Westfalia Van Conversion ist weiterhin zuständig für den Bau und Vertrieb von Freizeit-Fahrzeugen, DaimlerChrysler steigt mit 49 Prozent ins neue Unternehmen ein. Bei Westfalia Automotive geht es um Anhängekupplungen, die Westfalia Trailer Group befasst sich mit der Produktion von Pkw- und Pferdeanhängern. Bei den Freizeit-Fahrzeugen läuft es rund, im Jahr 2001 fällt ein neuer Produktionsrekord: Das 500.000ste Freizeitfahrzeug rollt bei Westfalia vom Band. Und die Stuttgarter erhöhen massiv ihren Anteil an Westfalia, die Van Conversion wird 100prozentige Tochter von DaimlerChrysler.

Im Jahr 2002 kommt zu den Wetfalia-Kunden die Adam Opel AG hinzu, für die nun auch kleinere Reisemobile gebaut werden. Erweitert wird auch die Palette der Marco Polos auf der Basis des Viano von Mercedes, knapp ein Jahr später. Und man erinnert sich wieder alter Zeiten, und startet einen erneuten Versuch auf dem amerikanischen Markt. Diesmal mit Unterstützung des Sterns – die ersten Dodge Sprinter Freizeit-Fahrzeuge werden 2004 in den USA ausgeliefert. Am Firmenstandort in Wiedenbrück eröffnet im gleichen Jahr das Westfalia-Kunden-Centers mit (erheblich verkleinertem) Museum, Zubehör-Shop und Vorort-Montage. Mit dem ersten „GetReady“ startet man im Frühjahr 2005 erstmals bei Westfalia in die neue Saison.

Die Jahre 2006 und 2007 sind turbulent. Auf der Basis des neuen Mercedes Sprinter kommt 2006 der neue James Cook, damit bietet Westfalia zwei Modellvarianten an, die sich durch die Dachform unterscheiden. Premiere feiert auch der Ford Big-Nugget, er ist seit langer Zeit das erste von Westfalia selbst entwickelte und auch vermarktete Produkt. Auf dem chinesischen Markt erfreut sich der Marco Polo, besonders als Konferenzmobil, wachsender Beliebtheit. Westfalia sieht gute Chancen für den Verkauf seiner Modelle im Reich der Mitte. Außerdem ist Produktionsstart für das Superhochdach für den MB Sprinter NCV3 in der Westfalia Betriebsstätte Düsseldorf. Und 2007 kommt ein alter Bekannter, der Sven Hedin, auf der Basis des VW Crafter zurück. Parallel dazu läuft die Produktion des Ford Big Nugget an. Und wieder mal gibt es ein Jubiläum zu feiern: Seit dem Start der Fertigung des Viano im Jahr 2003 sind 5.555 Vianos zu Freizeitfahrzeugen aufgebaut worden.

Im Herbst dann der Paukenschlag: Mitte Oktober wird der Verkauf von Westfalia Van Conversion an die Aurelius AG bekannt gegeben. Zu diesem Zeitpunkt erzielt das ostwestfälische Unternehmen mit rund 230 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Euro. Bei der Daimler AG will man sich künftig „auf das Kerngeschäft“ konzentrieren, wie es aus Stuttgart heißt. Über finanzielle Einzelheiten des Verkaufs wird nichts bekannt. Es heißt jedoch, dass Daimler auch weiterhin die Reisemobile James Cook und Marco Polo sowie die Superhochdächer für den Sprinter von Westfalia fertigen lassen wird. Und, knapp vor Jahresende wird bekannt, dass im Frühjahr zur CMT in Stuttgart erstmals ein Teilintegrierter von Westfalia gezeigt werden wird: Der West-Van, Basis ist der Ford Transit. Ganz aktuell im Jahr 2009: Westfalia gibt bekannt, dass der Sven Hedin, traditionell auf VW-Basis, künftig den Mercedes-Stern tragen wird. Der Sprinter kommt künftig als Basisfahrzeug zum Einsatz.


Quelle: Gerhard Prien